Ethos und Politik, passt das zusammen?

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José Mujica, Ethos und Politik

Am vergangenen Sonntag, 26. Oktober 2014, fanden im lateinamerikanischen Uruguay Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Die fünfjährige Amtszeit des derzeitigen Präsidenten José Mujica endet zu Beginn 2015. Diese Tatsache an sich wäre kaum eine Erwähnung wert, wenn es sich um einen x-beliebigen Präsidenten handeln würde. Aber es handelt sich um „Pepe“ Mujica, wie er von seinen Landsleuten liebevoll genannt wird, nicht um einen billigen 08/15-Präsidenten, wie sie leider nur allzu oft in der Weltgeschichte anzutreffen sind.

Foto: Wikimedia Commons,
José Mujica, Präsident von Uruguay

[Einschub: Das zweitkleinste südamerikanische Land Uruguay hat zur Zeit 3,5 Mio. Einwohner bei einer Oberfläche von mehr als die Neuen Länder, Niedersachsen und Schleswig Holstein zusammen. Die Bevölkerung ist überwiegend europäischer Abstammung, vor allem spanischer und italienischer. Der „Economist“ erklärte Uruguay als:  “Land des Jahres 2013” aufgrund seiner innovativen Politik der Legalisierung von Produktion, Kommerzialisierung und Konsumption von Cannabis. Gleichgeschlechtliche Eheschließung und Abtreibung  sind legal (Alle drei Maßnahmen wurden unter der Regierung von José Mujica beschlossen, C.E. ). Uruguay wird als eines der freiheitlichsten Nationen in der Welt angesehen, ist eines der am sozialsten entwickelten und gilt sowohl regional als auch global als vorbildlich in Bezug auf persönliche Freiheitsrechte, Toleranz und soziale Inklusion.“  (Übers. C.E.) Vor zehn Jahren kam zum ersten Mal in der Geschichte eine linke Regierung an die Macht, die sich aus unterschiedlichen sozialistischen, kommunistischen, revolutionären Strömungen, inklusive der ehemaligen Guerilla Tupamaros, zusammensetzt („Frente Amplio“ – Breites Bündnis) und die die traditionellen, von der Nationalen Oligarchie beherrschten, Parteien aus der Regierung verdrängen konnte.]    

            Womit hat die Welt vier außerordentliche politische Persönlichkeiten in den letzten Jahren „verdient“, die als Vorbilder ihrer Zunft bezeichnet werden können, wie Nelson Mandela (Südafrika), Suu Kyi (Myanmar), Evo Morales (Morales) und José Mujica (Uruguay)? Besonders wir Menschen in den Industriestaaten hatten uns daran gewöhnt, dass Staaten ganz selbstverständlich entweder von Nullen, Ausbeutern, Diktatoren, Psychopathen, eitlen oder korrupten Machtmenschen regiert werden. Gerade wir Deutschen können Lieder über derartige „Führer“ singen, wenn es auch Ausnahmen gab. Mit „Politik verdirbt den Charakter“ entschuldigt der Mann auf der Straße das Versagen seiner Politiker und ergibt sich als treuer Untertan in das Schicksal, das da heißt: „Ich kann eh nichts an den öffentlichen Verhältnissen ändern. Die da Oben mit ihren Seilschaften machen, was sie wollen!“

            „Doch, Du kannst an Deinem Schicksal rütteln. Du selbst bist verantwortlich dafür, dass Politiker das Land regieren, die dem Ethos verpflichtet sind, den Dienst für das Wohl der Allgemeinheit ernst zu nehmen, und die dazu die nötigen intellektuellen und charakterlichen Fähigkeiten aufbringen.“ So möchte man dem Michel zurufen und ihn schütteln, bis er endlich aufwacht.      

            Was ist das Besondere an José Mujica, dem ehemaligen Guerilla-Führer der Tupamaros in den ausgehenden 60er und 70er Jahren, die der Nationalen Oligarchie den Krieg ansagte, und Noch-Präsident von Uruguay? Was zeichnet den Pepe aus, der als „ärmster“ Präsident der Welt gilt, der von seinen rund 10.000 Euro monatlichem Präsidentengehalt 9.000 Euro an Menschen verteilt, die es nötiger haben als er; der mit seinen 78 Jahren von 14 grausamen Gefängnisjahren gezeichnet ist; der einen humpelnden Hund, einen alten VW-Käfer und eine kleine Finca sein eigen nennt, und der mit seiner Frau, einer langjährigen politischen Mitstreiterin, den Präsidentenpalast verschmäht und stattdessen in seiner bescheidenen Behausung das geruhsame Leben als Staatsmann und gleichzeitig Blumenzüchter verlebt? Was hat er mit Ethik in der Politik am Hut, von der alle Politiker der Welt labern, ohne auch nur die mindeste Idee von Ethik im politischen Handeln zu haben oder die Absicht zu hegen, diese zur Richtschnur ihres Tuns zu machen?

            Im Folgenden werde ich hier zur Illustration einige von mir aus dem Spanischen übersetzten Zitate anführen, die besser als schlaue Analysen zeigen, aus welchem Holz Pepe Mujica geschnitzt ist. In diesem Sinn dient auch das anschließend eingestellte BBC-Video.

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