Lateinamerikas Rechte auf G-20-Gipfel in Hamburg

Michel Temer (Brasilien) bleibt zu Hause, wo er wegen Korruption angeklagt ist. Mauricio Macri (Argentinien) und Enrique Peña Nieto (Mexiko) mit dabei

Hamburg/Brasília/Buenos Aires. Argentinien und Mexiko ja, Brasilien nein: Auf dem G-20-Gipfel im Hamburg in der kommenden Woche werden nur zwei der drei erwarteten Staatschefs aus Lateinamerika teilnehmen. Der politisch heftig umstrittene De-facto-Präsident von Brasilien, Michel Temer, hat seine Teilnahme an dem Forum abgesagt. Temer müsse aus innenpolitischen Gründen in Brasilien bleiben und könne nicht zum Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer teilnehmen, hieß es in argentinischen Medien. Tatsächlich muss sich der De-facto-Präsident inmitten von Ermittlungen wegen Korruption gegen seine Absetzung wehren.

 

Mauricio Macri, Enrique Peña Nieto, Michel Temer – beim G-20-Gipfel in Hamburg werden nur die Präsidenten von Argentinien und Mexiko anwesend sein.
Mauricio Macri, Enrique Peña Nieto, Michel Temer – beim G-20-Gipfel in Hamburg werden nur die Präsidenten von Argentinien und Mexiko anwesend sein. QUELLE: HUMANIDADENRED

Der rechtsgerichtete Politiker wurde unlängst als erstes Staatsoberhaupt in der Geschichte des fünftgrößten Landes der Erde noch während seiner Amtszeit wegen des Verdachtes auf Bestechlichkeit angeklagt. Die entsprechende Klageschrift wurde von Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot beim Obersten Gerichtshof in Brasilia eingereicht. Ob das Verfahren tatsächlich aufgenommen wird, darüber entscheidet nun das Parlament. Zwei Drittel der Abgeordneten müssten sich für die Aufhebung der Immunität entscheiden. Offenbar will Temer im Brasilien nun Gespräche führen, um sich den notwendigen Rückhalt zu sichern und Amt sowie Freiheit zu behalten.

An dem G-20-Gipfel teilnehmen wird indes Argentiniens Präsident Mauricio Macri. Argentinische Medien verwiesen darauf, dass das kommende Treffen der G20 im Jahr 2018 in dem südamerikanischen Land stattfinden wird. Geplant seien Treffen Macris mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, bei dem der Argentinier für ein Handelsabkommen zwischen seinem Land und der EU werben möchte. Macri wolle auch darauf hinwirken, dass Frankreich seine Blockade gegen die Einfuhr von argentinischem Biodiesel in die EU aufgibt, berichteten Medien des Landes.

Von Harald Neuber/ Georg Stein, Argentinien
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