Generalstreik in Uruguay

Der Gewerkschaftsbund PIT-CNT beschloss, zu einem Generalstreik aufzurufen, der letzten Donnerstag (14.07.) stattfand. 

Nun, jeder hat natürlich Verständnis für die Forderungen. So stellte man sich damit gegen die von der Regierung um Präsident Tabaré Vázquez beschlossenen Lohnleitlinien. Diese sind Grundlage für die Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und privaten sowie öffentlichen Unternehmen. 

Quelle: elpais.com.uy

Anfang Juli beschloss das Kabinett des Linksbündnisses Frente Amplio, die im letzten Jahr erlassene Obergrenze für Gehaltssteigerungen (8-10 %) nicht zu erhöhen. Die Begründung von Wirtschafts- und Finanzminister Astori: nur so könnten Arbeitsplätze gesichert werden. 

Die Gewerkschaften sehen das natürlich anders und verweisen auf die bestehende Inflation von derzeit rund 10 % und warnen vor Reallohnverlusten. 

Die Arbeiter fordern dringend notwendige Investitionen des Staates in die Gesundheitsversorgung und (Schul-/Aus-)Bildung umzusetzen, eine bessere soziale Absicherung für Arbeiter und Angestellte und Quoten für die Beschäftigung Körperbehinderter in der privaten Wirtschaft. Außerdem solle der Leerstand von Wohnungen unter Strafe gestellt werden. 

Leerstand – zu verkaufen

Der Presse konnte man entnehmen, dass sich ca. 1 Million Beschäftigte an dem Generalstreik beteiligten. Nach Angaben der Weltbank hat Uruguay derzeit 1,7 Millionen „wirtschaftlich aktive“ Bürger.

Was bedeutet das aber vor Ort, wenn ein solcher Generalstreik ausgerufen wird? Dieser kann u. U. Bereiche betreffen, an die man erstmal gar nicht denkt.

So kann man natürlich z. B. Geld am Automaten ziehen, allerdings nur, solange er auch bestückt ist. Doof steht man dann da, wenn die Geldtransporter nicht erscheinen, die diese Automaten neu befüllen sollen. Da Wechselstuben dann ebenso geschlossen sind, spart man sich am besten den Weg um die Ecke in den nächstgelegenen Supermarkt oder manches Fachgeschäft. Gerade in kleineren Geschäften gilt noch immer: „nur Bares ist Wares“. 

Auch sollten in vielen Orten möglichst keine Tiere krank werden. Selbst wenn der Tierarzt da ist, fehlen dann aber z. B. Angestellte und kaufen kann man dort dann meistens nichts. 

Intendencia Atlántida


Die Post hat an solchen Tagen ebenso geschlossen, wie Stadtverwaltungen oder andere Behörden. Der Generalstreik betraf auch viele staatliche und private Firmen, das öffentliche Gesundheitswesen, Schulen (!) und das Transportwesen (Busse fuhren im Feiertagsmodus – wenn überhaupt). Kurzum, die Wirtschaft ist dann extrem gelähmt. 

Glücklicherweise dürfen zumindest Polizei und Innenministerium nicht streiken. Doof nur, wenn die Polizei mit Absperrung, Organisation und Begleitung der Demonstrationen beschäftigt ist, statt sich um die Abwendung oder Aufklärung von Verbrechen zu kümmern.

Ein Streik hat also immer zwei Seiten. Er trifft erstmal die, die gar nichts für die widrigen Umstände können. 

Und welche Signalwirkung hat dieser letzte hier wohl in Richtung ausländischer Investoren? Bundespräsident Joachim Gauck, der am Donnerstag in Montevideo eintraf, war sicher nicht direkt vom Streik betroffen. Dennoch werden sich potentielle deutsche Investoren und Unternehmer sicher genauer über die Macht der Gewerkschaften in Uruguay informieren…

Selbst Uruguayer, die eine Firma haben oder hatten, raten i. d. R. davon ab Angestellte einzustellen. Bei Unstimmigkeiten mit der Arbeitszeit, Urlaub oder Bezahlung wird man schnell verklagt und verliert meist auch. Da kommt es nicht wirklich darauf an, ob man als Arbeitgeber im Recht war oder nicht.

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