Gerichtsurteile in Italien zur Operation Condor

Lebenslange Haftstrafen, aber auch Freisprüche für Militärs und Politiker der Diktaturen. Opferangehörige äußern Unverständnis und kündigen Berufung an

Rom. Ein italienisches Gericht hat acht hochrangige Ex-Militärs und -Funktionäre zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt, neunzehn weitere wurden hingegen freigesprochen. In dem zwei Jahre dauernden Prozess wurde ihnen vorgeworfen, im Rahmen der sogenannten Operation Condor zwischen 1970 und 1980 an der illegalen Freiheitsberaubung und der Ermordung von 42 jungen Menschen, darunter 20 Italienern, beteiligt gewesen zu sein. Unter den Verurteilten befinden sich unter anderem der ehemalige bolivianische Diktator Luis García Meza und dessen Innenminister Luis Arce Goméz, der frühere uruguayische Außenminister Juan Carlos Blanco Estradé sowie der peruanische Ex-Diktator Francisco Morales Bermúdez. Ursprünglich waren 34 Personen angeklagt, von denen fünf im Verlauf des Prozesses verstarben.

 

Schweigemarsch für die Verschwunden in Montevideo, Uruguay, am 16. Mai 2016. Die Angehörigen der Diktaturopfer sind enttäuscht über die Freisprüche in Italien
Schweigemarsch für die Verschwunden in Montevideo, Uruguay, am 16. Mai 2016. Die Angehörigen der Diktaturopfer sind enttäuscht über die Freisprüche in Italien – QUELLE: AGUSTÍN FERNÁNDEZ

Die Familien der Opfer kündigten an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Viele der freigesprochenen Personen seien „bekannte Völkermörder“, so Javier Tassino, Sprecher der uruguayischen Opferorganisation Mütter und Angehörige der verschwundenen Inhaftierten. Die Entscheidung sei „weder gut für die Welt noch für die Demokratie“. Er erklärte weiter, dass nicht die Organisation, sondern die einzelnen Individuen selbst Berufung einlegen würden.

Auch Uruguays Vizepräsident Raúl Sendic, der bei der Urteilsverlesung anwesend war, zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung des Gerichtes und gab bekannt, die Regierung werde jetzt die Situation analysieren und schauen, wie man weiter mit den Familien der Opfer zusammen vorgehe. „Es gibt viel Schmerz, so viel angesammelten Schmerz“, sagte er.

Überrascht waren Angehörige und Politiker vor allem von den Urteilen für die uruguayischen Angeklagten, von denen nur einer von vierzehn verurteilt wurde. „Wir haben dieses Resultat nicht erwartet, da es nicht nachvollziehbar ist“, erklärte Mirtha Guianze, Direktorin des Nationalen Institutes für Menschenrechte. Der frühere Außenminister von Uruguay, Juan Carlos Blanco, sei für die selben Verbrechen verurteilt wurden, von denen die anderen freigesprochen wurden. Speziell der Freispruch des Ex-Geheimdienstagenten Jorge Tróccoli, als Einziger im Gerichtssaal anwesend, sorgte für Unverständnis: „Mir scheint, als ob dieses Urteil die Realität nicht widerspiegelt. Niemand kann sagen, dass das nicht existiert hat. Ich bin in einem Geheimgefängnis zur Welt gekommen und zu sagen, dass Tróccoli nicht verantwortlich ist, weil er nicht derjenige war, der direkt den Abzug gedrückt hat, ist absurd. Ich bin vollkommen empört darüber, dass man diese Person stärkt“, schilderte eine Angehörige ihre Gefühle nach der Urteilsverkündung.

Von Serena Pongratz
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