Uruguay: Der Adler der «Graf Spee»: Hitlers schwieriges Erbe

Uruguays Regierung macht einen 350 Kilogramm schweren Reichsadler nun zur Chefsache. Er wurde schon 2006 vom Grund des Río de la Plata aus dem Wrack der 1939 gesunkenen „Admiral Graf Spee“ geborgen – und soll bloß nicht in die Hände von Devotionalienhändlern gelangen.

Er ist 2,80 Meter hoch und 350 Kilogramm schwer – ein Überbleibsel der ersten großen Seeschlacht des Zweiten Weltkriegs. Der Reichsadler des deutschen Panzerschiffes „Admiral Graf Spee“, am 17. Dezember 1939 gesunken vor Uruguay. 2006 wurde er geborgen – und in diesen Tagen entscheidet sich, was mit dem teuren Stück passiert, das nach Schätzungen mindestens vier Millionen Dollar wert sein soll.

 

Der Heckadler des 1939 im Río de la Plata vor Uruguay gesunkenen deutschen Panzerschiffes «Admiral Graf Spee». Uruguays Verteidigungsminister Menéndez beriet in den letzten Tagen mit Vertretern anderer Parteien, was mit dem Stück aus dem noch im La Plata liegenden Wrack passieren soll
Der Heckadler des 1939 im Río de la Plata vor Uruguay gesunkenen deutschen Panzerschiffes «Admiral Graf Spee». Uruguays Verteidigungsminister Menéndez beriet in den letzten Tagen mit Vertretern anderer Parteien, was mit dem Stück aus dem noch im La Plata liegenden Wrack passieren soll. Foto: Marcelo Hernandez/AP/dpa

Eingekesselt von den britischen Kriegsschiffen „Exeter“, „Ayax“ und „Achilles“ und schwer beschädigt hatte Kapitän Hans Langsdorff vor fast 80 Jahren die Selbstversenkung des erst drei Jahre alten Schiffes in der Mündung des Río de la Plata vor Uruguay angeordnet. Die 1100 Matrosen setzten sich vorher mit einem Frachter in das den Nationalsozialisten freundlich gesinnte Argentinien ab – Langsdorff beging Suizid, er liegt auf dem Friedhof Chacarita in Buenos Aires begraben. Die gestrandeten Matrosen gründeten Familien in Argentinien, der Nachwuchs firmierte als „Spee-Kinder“ – bis heute werden auch Miniaturmodelle des deutschen Kriegsschiffs verkauft.

Einer, den der Mythos der „Admiral Graf Spee“ besonders gefesselt hat, ist der Unternehmer Alfredo Etchegaray. Er hat den Heckadler aus dem im La Plata versenkten Wrack mit einem schwimmenden Kran geborgen, ihm stehen 50 Prozent des Verkaufspreises zu. Der Oberste Gerichtshof Uruguays befand 2014, dass das Stück dem uruguayischen Staat gehört.

In den vergangenen Tagen wurde beraten, was denn nun zu tun sei mit dem Adler. Das Verteidigungsministerium diskutierte mit Vertretern mehrerer Parteien. Der Oppositionspolitiker Jorge Gandini schlug vor, mit den Einnahmen aus einem Verkauf die Küstenwache mit neuen Schnellbooten auszustatten. Die Bundesregierung will vor allem einen Verkauf an Fans von Nazi-Devotionalien verhindern.

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