Kind missbraucht? Zielfahnder spüren Arno W. aus Oerlinghausen in Uruguay auf.

Von Christian Althoff

Oerlinghausen (WB). Vor acht Jahren sollte Sektengründer Arno W. aus Oerlinghausen wegen Kindesmissbrauchs in Detmold vor Gericht gestellt werden. Unmittelbar vor dem Prozess floh er mit seiner Frau Julie R. ins Ausland. Jetzt wurde das Paar von deutschen Zielfahndern in Uruguay festgenommen.

Das mutmaßliche Opfer heißt Lea Saskia Laasner und ist heute 34 Jahre alt. Anfang der 90er Jahre hatten ihre Eltern ihr bürgerliches Leben in der Schweiz hinter sich gelassen und sich mit Tochter und Sohn der Ramtha-Sekte von Arno W. angeschlossen. Die Sekte hat auch den Namen »Oase des Lichts«. Ramtha sollte ein Geist sein, der seine Botschaften über Julie R., genannt Julchen, an die etwa 40 Mitglieder der Sekte übermitteln sollte.

Erst lebte die Sekte in Portugal, dann zog sie nach Belize in Mittelamerika, wo die Mitglieder auf einer Farm arbeiteten, um den Unterhalt der Gemeinschaft zu sichern. In ihrem 2005 erschienenen Buch »Allein gegen die Seelenfänger« schildert Lea Saskia Laasner, wie sie als Zwölfjährige Orgien Erwachsener miterleben musste. Als 13-Jährige sei sie zum ersten Mal von Arno W. missbraucht worden. Der habe ihrem Vater erklärt, »das Ritual« diene »höheren Zielen«.

Laasner gelang nach vielen Jahren die Flucht. Zurück in der Schweiz zeigte sie Arno W. an. Die Behörden erklärten, sie seien nicht zuständig. Sie gaben den Fall nach Deutschland ab, wo Arno W. in Oerlinghausen bei seiner Mutter gemeldet war. Dort hielten sich Arno W. und seine Frau zwischendurch immer mal wieder auf.

Nach umfangreichen Ermittlungen klagte Staatsanwältin Gisela Brinkforth-Pekoch Arno W. wegen schweren neunfachen Kindesmissbrauchs an. Seine Frau sollte wegen Beihilfe vor Gericht. Sie soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft 1994 bei der Entjungferung des Mädchens dabeigewesen sein.

Am 16. April 2007 sollte der Prozess beginnen, doch unmittelbar vorher tauchten die beiden Angeklagten unter. Das Gericht hatte darauf verzichtet, sie rechtzeitig in Untersuchungshaft zu nehmen, weil Arno W. versichert hatte, er sei unschuldig und werde die Vorwürfe entkräften. Sein Anwalt Rüdiger Weidhaas sagte damals: »Möglicherweise gab es eine asymmetrische Liebesbeziehung, aber auf keinen Fall eine Vergewaltigung.« Gestern sagte der Anwalt, er habe seit der Flucht seines Mandanten keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt.

Arno W. und seine Frau wurden 2007 international zur Fahndung ausgeschrieben – viele Jahre ohne Erfolg. 2014 übernahmen Zielfahnder des Bundeskriminalamts den Fall. Zusammen mit örtlichen Polizisten spürten sie das Paar in Montevideo auf und nahmen die beiden am 11. Juni fest.

Sektengründer Arno W., der heute 60 Jahre alt ist, und seine 59-jährige Frau wurden in Montevideo einem Haftrichter vorgeführt. Stefanie Ernst: »Wie lange die Auslieferung dauern wird, lässt sich noch nicht sagen. Da die angeklagten Taten aber noch lange nicht verjährt sind, sind wir zuversichtlich, das Paar irgendwann in Detmold vor Gericht zu stellen.«

Gefunden bei Westfalen-Blatt

Kommentar verfassen