Ecuador nach dem Erdbeben: Wie Viralität die Wahrheit töten kann

Die Schäden an Infrastruktur und Gebäuden nach dem Erdbeben im südamerikanischen Land Ecuador sind groß. Städte liegen in Schutt und Asche, fast 600 Menschen wurden mittlerweile tot geborgen. Nach dem Beben quollen die sozialen Netzwerke über mit Botschaften und Fotos, die Verbreitung von falschen Gerüchten und unglaublichen Geschichten trieb seltsame Blüten.


Dass Viralität die Wahrheit töten kann, ist eine inzwischen wohl bekannte Nebenerscheinung unserer Netzwerkgesellschaft und hat die ecuadorianische Regierung bereits vor Tagen zu einer Meldung veranlasst, nach der sich Opfer und Betroffene nur über offizielle Medien, wie zum Beispiel die Webseiten von Ministerien, über die aktuelle Lage informieren sollen.

Meldungen über Urin trinkende Verschüttete und in den Trümmern von eingestürzten Häusern sterbende Rettungshunde sind mit Vorsicht zu genießen, ebenfalls „angebliche“ Spenden von Prominenten. Eines der am weitest verbreiteten Bilder im Mikroblogging-Dienst Twitter war das in den Nationalfarben von Ecuador leuchtende Empire State Building im New Yorker Stadtteil Manhattan. Weltweit zeigten sich die Medien gerührt- und übernahmen das Fake. Das US-Konsulat in Guayaquil wies darauf hin, dass die Vereinigten Staaten mit der Bevölkerung Ecuadors sympathisieren, das einst höchste Gebäude der Welt allerdings deswegen nicht in den Nationalfarben Ecuadors leuchtete.

Dass viele Rettungshunde in den Trümmern eingestürzter Bauwerke nach Überlebenden suchen, ist wahr. Nicht wahr ist allerdings die Geschichte vom kolumbianischen Suchhund „Kaisser“, der während eines Rettungseinsatzes in den Trümmern gestorben sein soll. „Kaisser“ starb an einer Krankheit und war nie auf einer Mission in Ecuador. Persönlichkeiten wie Ronaldinho, Dave Mustaine und Sänger wie Miguel Bosé oder Mitglieder von Coldplay schickten Botschaften der Ermutigung über Twitter und Facebook.

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