SZ: Willkommen im Kiffer-Paradies

Bald komplett legal: Vor dem Regierungsgebäude in Montevideo betont ein junger Mann kiffend seine Haltung zum Marijuana-Gesetz.

In Uruguay beginnt bald der legale Verkauf von Cannabis. Er wird vom Staat organisiert und verwaltet. Nicht auf Rezept, sondern zum puren Genuss. Über einen neuen Weg gegen das organisierte Verbrechen.

 

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In Uruguay lebt der Uru. Das wissen alle Leser von Sportzeitungen. Wenn vom Uru die Rede ist, dann geht es fast immer um Fußball. Uruguay hat weniger Einwohner als Berlin, trotzdem haben die Urus neben zwei Weltmeisterschaften auch 15 Copa-América-Titel gewonnen. Mehr als Argentinien und Brasilien. Ansonsten hört man eher wenig über dieses Land, das auf der Weltkarte wie eine Erbse zwischen seinen großen Nachbarn klemmt. Vielleicht noch dies: Uruguay ist ein Kiffer-Paradies.

Tatsächlich sind die klimatischen Voraussetzungen ideal für den Cannabis-Anbau: Nicht zu warm, nicht zu kalt. Nicht zu feucht, nicht zu trocken. Auch die rechtlichen Bedingungen stimmen. Ende 2013 hat Uruguay als erstes Land der Welt die Produktion und den Konsum von Marihuana entkriminalisiert. Das Gesetz namens „19.172“ erlaubt den kommerziellen Marihuana-Handel in Apotheken. Die Kernidee dieser beispiellosen Regelung ist, dass Produktion und Vertrieb nicht den freien Märkten überlassen werden. Der Staat kümmert sich jetzt selbst darum.

In zahlreichen Staaten, darunter Deutschland, wurde Cannabis inzwischen freigegeben – als Medizin auf Rezept. In Uruguay darf ganz offiziell „zu Genusszwecken“ gekifft werden. Theoretisch geht das auch in der Schweiz. Dort gibt es seit einiger Zeit Cannabisprodukte in Apotheken und Hanfshops. Allerdings dürfen die nur minimale Spuren des psychoaktiven Wirkstoffs THC enthalten. Spötter sagen, das sei so, als ob man alkoholfreies Bier legalisieren würde. In Uruguay hingegen vertreibt der Staat demnächst eine Sorte, die offenbar reiner und stärker ist als Schwarzmarktprodukte. Also richtiges Gras.

Von Boris Herrmann

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