Fifa-Skandal: Die Schockwellen erreichen Lateinamerika

Blanke Panik in den Verbandszentralen von Kolumbien, Costa Rica und Paraguay – in Argentinien und Brasilien wird indes gejubelt.

Bogotá. Nun will es auch Kolumbiens Staatsanwaltschaft genau wissen und fordert schon einmal die Unterlagen aus Washington an. Denn die Vermarktungsagentur, welche die Spiele der kolumbianischen Nationalmannschaft um die Superstars James und Falcao meistbietend auch mal nach Bahrain verramscht, ist im Rahmen des Fifa-Korruptionsskandals in den Fokus der US-Justiz geraten. Auch in Chile und Uruguay sind die lokalen Ermittlungsbehörden hellhörig geworden. Die Angst in den Landesverbänden geht um, denn die US-Ermittler kündigten an, dass die bisherigen Ermittlungen ja erst der Anfang und nicht das Ende seien. In Bogotá will man nun genauer hinschauen, ob Verbandspräsident Luis Bedoya persönlich bei jedem Spiel der Nationalmannschaft kräftig mitverdient. Diese Gerüchte wabern schon lange durch Bogotá, sodass sich Bedoya vor einigen Monaten in einem Interview gezwungen sah, klarzustellen, dass er persönlich kein Geld verdiene. Auch er sitzt in der Fifa-Exekutive. Ob gegen ihn ermittelt wird, ist bisher nur Gegenstand von Gerüchten.

Volksheld droht Gefängnis

Panik herrscht auch in Costa Rica. Die Botschaft des mittelamerikanischen Landes versucht am Mittwoch zunächst vergeblich, Kontakt zu Eduardo Li aufzunehmen. Der Präsident des Verbandes, dessen Land bei der WM so fröhlich aufspielte, galt bis Mittwoch dort als Volksheld. Er hatte sich als strahlender Manager des Fußballmärchens in Brasilien inszeniert, nun droht dem Verbandsboss mit chinesischen Wurzeln eine jahrelange Haftstrafe wegen Korruption.

In Paraguay wählte Nicolas Leoz unterdessen den Abgang im Stile eines gestürzten Diktators. Der inzwischen 86-jährige Ex-Präsident des südamerikanischen Fußball-Verbandes Conmebol floh am Mittwoch in ein Sanatorium, als die Nachricht vom internationalen Haftbefehl auch nach Paraguay gelang.

Da ihm die Klinik selbst gehört, wird der gesuchte Leoz schon ein paar willige Ärzte finden, die ihm die gewünschte Reise- und Verhandlungsuntauglichkeit bescheinigen. Sein Anwalt Luis Barriocanal erklärte gegenüber der Tageszeitung „ABC“ aus Asuncion den Patienten schon einmal vorbeugend für flugunfähig. Während in den Machtzentralen des lateinamerikanischen Fußballs blanke Panik vor neuen Enthüllungen herrscht, jubeln derweil die Fans in Rio de Janeiro und Buenos Aires. In Straßenumfragen gibt es nahezu einhellige Unterstützung für die Aktionen der ansonsten in Lateinamerika eher kritisch beäugten „Gringo-Justiz“ aus den USA.

Argentiniens Legende Diego Maradona, in Italien gesuchter Steuersünder und erklärter Feind von Fifa-Boss Joseph Blatter, jubelt allerdings noch nicht zu früh. Einem „Ich habe es ja immer gewusst“ schickt er Warnendes („Noch ist Blatter nicht gestürzt“) hinterher. Brasiliens wütender Ex-Weltmeister Romario, mittlerweile im Parlament, giftet: „Die Ratten gehören alle ins Gefängnis.“

Mehr und mehr richtet sich das Interesse der Justiz auch auf das Netzwerk der Sportmarketing-Firmen und Agenturen, die Länderspiele und kontinentale Wettbewerbe vermarkten. Auffällig ist: Obwohl WM-Gastgeber Brasilien seit vergangenem Jahr über eine millionenschwere Stadioninfrastruktur verfügt, trägt der Rekordweltmeister ähnlich wie Argentinien und der Weltranglisten-Dritte Kolumbien seine Länderspiele stets weit weg und fern ab der Heimat aus: In Europa, den USA oder Asien haben die heimischen Steuerfahnder und Kontrolleure keinen Einblick auf die Abrechnung, wenn es sie denn überhaupt gibt.

Medien aus Kolumbien, Uruguay und Chile berichteten unterdessen über Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit der Copa América 2015 in Chile an die jeweiligen Verbandsbosse, die diese umgehend dementierten.

Gefunden bei wienerzeitung

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