Rätsel um den Tod des Sektengurus Arno Wollensak aus Oerlinghausen

Der Mord an Arno Wollensak wirft in Uruguay viele Fragen auf. Acht Tatverdächtige sind wieder auf freiem Fuß. In Hiddenhausen erinnert sich der ehemalige Vermieter an das Mordopfer

Montevideo/Hiddenhausen/Oerlinghausen. Der Tod des Sektengurus Arno Wollensak aus Oerlinghausen ist noch immer ungeklärt. Im August wurde er mit einer Plastiktüte über dem Kopf, angelegten Handschellen und gefesselten Füßen an einem Strand in Uruguay tot aufgefunden. Laut Gerichtsmedizinern wurde er erstickt.

 

Gemietet: In diesem Kotten in Hiddenhausen hat der Sektenguru Arno Wollensak in den 1980er-Jahren gelebt. | © Carolin Nieder-Entgelmeier

Der Mord wirft in Uruguay viele Fragen auf. Monate nach dem Fund der Leiche hat die Polizei fünf Männer und drei Frauen in Gewahrsam genommen, doch die Verdächtigen sind wegen fehlender Haftgründe schon wieder auf freiem Fuß. Die Polizei ermittelt weiter in verschiedene Richtungen, erklärt Hauptkommissar Mario Layera. Sie sucht vor allem nach Wollensaks Ehefrau, Julie R.

Wollensak, Führer der Sekte Lichtoase, sollte im April 2007 vor dem Landgericht Detmold der Prozess wegen Kindesmissbrauchs gemacht werden. Wenige Tage vor dem Gerichtstermin verschwanden der Angeklagte und seine Lebensgefährtin. Wollensak soll die Schweizerin Lea Saskia Laasner, die mit ihren Eltern im Alter von 12 Jahren der Sekte beitrat, sexuell missbraucht haben. Nach ihrer Flucht im Jahr 2001 schrieb Laasner ein Buch über ihr Leben in der Sekte.

BKA-Zielfahnder spüren Wollensak und seine Frau auf

Die forensische Psychiaterin Adriana Savio hat den Kriminalfall Wollensak analysiert. Sie kommt zu dem Schluss, dass Wollensak kein Soziopath war. „Wir sprechen hier von einer Persönlichkeitsstörung mit dem starken Hang, Beziehungen zu anderen herzustellen“, erklärt Savio. Zu diesem Beziehungsgeflecht gehörten auch die Mütter, die ihre jungen Töchter Sektenführer Wollensak als Sexsklavinnen auslieferten. Für Savio hat der Zustand, in dem seine Leiche gefunden wurde, einen Symbolcharakter, der die „interne Logik der Sekte“ erkennen lässt. „Der Körper gefesselt, der Mund mit Klebeband gestopft, all das ist eine Botschaft an Dritte, die Angst verbreiten soll.“

Das Bundeskriminalamt übernahm den Fall im April 2014 von der Detmolder Staatsanwaltschaft. Die BKA-Zielfahnder wurden eingeschaltet, als sich die Spur von Wollensak und seiner Frau in Südamerika verlief. Letztlich wurden die Gesuchten in Uruguay aufgespürt. Sie hielten sich auf einem durch Sektenmitglieder finanzierten Anwesen auf. Beide wurden dem Haftrichter in Montevideo vorgeführt. Wollensak und Julie R. waren in Uruguay mit Pässen des südamerikanischen Staates Surinam mit falschen Namen eingereist.

Nach dem Tod von Wollensak verfolgt die Detmolder Staatsanwaltschaft die Anklage gegen den Sektenguru nicht weiter. „Mit dem Tod ist der Fall erledigt“, sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Seine Frau Julie R. werde aber weiterhin gesucht, erklärt der Anklagevertreter.

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