Durchsuchungen bei Nachrichtensender in Argentinien

Maßnahmen der Justiz werden mit Verdacht auf Steuerbetrug begründet. Indalo-Mediengruppe hatte kritisch über Regierung berichtet

Buenos Aires. Für den vergangenen Sonntagabend hatte der argentinische Nachrichtensender Canal 5 Noticias (C5N) eine dreistündige Sondersendung seines wöchentlichen investigativen Programms Economía Política vorgesehen. Unter dem Titel „El socio del Presidente“ (Der Partner des Präsidenten) wollte der Journalist Roberto Navarro über die Beziehung zwischen dem neuen argentinischen Staatschef Mauricio Macri und dessen Freund und Parteifreund, dem Unternehmer Nicolás Caputo berichten. Aber der Beitrag wurde nicht ausgestrahlt.

Ü-Wagen von C5N in Buenos Aires QUELLE: PATRICIO MOLINA

Wie Navarro auf seiner Facebook-Seite bekannt gab, wurde die Sendung „vorerst verschoben, bis die Bedingungen ihre Ausstrahlung erlauben“. Er verurteile nicht die Entscheidung der Senderleitung, so Navarro. Es sei offensichtlich, dass die TV-Station unter der Hetze und ihren Konsequenzen für das Unternehmen und seine Mitarbeiter leide.

Der Fernsehjournalist spielte damit auf das seit rund einer Woche laufende juristische Verfahren gegen das Unternehmen Indalo und dessen Gründer Cristóbal López und Eigentümer Fabián De Souza an, das die argentinische Medienlandschaft in Aufruhr versetzt. Sein vorläufige Höhepunkt war die Durchsuchung der Räumlichkeiten von C5N, des Radiosenders Radio 10 und anderer Unternehmen, die zu Indalo gehören.

In einer Pressemitteilung bekundete Indalo, dass das Unternehmen mit den staatlichen Stellen kooperiert und Zugang zu den verlangten Dokumenten sofort gewährt habe. Alle Unterlagen, die während der Ermittlungen nicht vorlagen, seien innerhalb von 72 Stunden freiwillig von den Anwälten Indalos an die zuständigen Behörden übergeben worden.

Die argentinische Bundesverwaltung für öffentliche Einnahmen (AFIP) hatte vor den Razzien beim zuständigen Gericht Klage wegen mutmaßlicher betrügerischer Insolvenz gegen Indalo eingereicht. Anschließend ordnete Richterin María Verónica Straccia auf Antrag des Staatsanwalts Germán Bincaz die Durchsuchungen an.

Die Klage und Razzien gründet auf dem Verdacht, dass López und De Souza acht Milliarden argentinische Pesos (rund 5,4 Millionen US-Dollar) Steuern mit ihrem Unternehmen Oil Combustibles unterschlagen hätten, um damit ihr Firmennetzwerk auszubauen, insbesondere um Kommunikationsmedien zu kaufen. Dies hatte die rechtskonservative Tageszeitung La Nación vor Beginn der Untersuchungen veröffentlicht. Mittlerweile belaufe sich die Gesamtschuld der Unternehmensgruppe Indalo gegenüber dem argentinischen Staat nach Berechnungen von La Nación sogar auf über neun Milliarden argentinische Pesos.

Eigentümer Fabián De Souza rechtfertigte die Unternehmenspraxis, Kapital zurückzuhalten, um es in andere Firmen zu investieren, in einem Interview mit einem der hauseigenen Medien der Gruppe Indalo, Ámbito Financiero, als „vollkommen legal“. Die Schulden seien völlig reguliert. „Was wir gemacht haben, unterscheidet sich nicht von dem, was viele andere argentinische Unternehmer tun.“

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Von Christian Stache, Buenos Aires

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