Der seltsame Tod von Hugo Chávez

Eva Golinger: Chávez forderte die mächtigsten Interessen heraus und beugte sich nicht. Ich glaube, dass er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ermordet wurde

Mark Whitney: Sind Sie der Meinung, dass Hugo Chávez ermordet wurde, und wenn ja, wer denken Sie könnte darin verwickelt sein?

Eva Golinger: Ich glaube, dass es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass Präsident Chávez ermordet wurde. Es gab offenkundige und dokumentierte Mordversuche gegen ihn während seiner gesamten Präsidentschaft. Besonders erwähnenswert ist der Staatsstreich vom 11. April 2002, bei dem er entführt wurde und getötet werden sollte, was durch den beispiellosen Aufstand des venezolanischen Volkes und loyaler Militäreinheiten verhindert wurde. Dies rettete ihn und brachte ihn innerhalb von 48 Stunden wieder an die Macht. Es ist mir gelungen, unumstößliche Beweise unter Nutzung des US-amerikanischen Freedom of Information Act (FOIA)1 zu finden, dass der CIA und andere US-Geheimdienste hinter diesem Staatsstreich standen und die Beteiligten finanziell, militärisch und politisch unterstützten.

Hugo Chávez und Oliver (Oktober 2010) QUELLE: ALBACIUDAD.ORG


Danach gab es weitere Versuche, gegen Chávez und seine Regierung, etwa im Jahr 2004, als dutzende kolumbianische Paramilitärs in einem Gutshaus nahe Caracas geschnappt wurden, das Robert Alonso, einem Anti-Chávez-Aktivisten gehörte. Sie hatten vor, nur wenige Tage später den Präsidentenpalast anzugreifen und Chávez zu töten.

Es gab einen weiteren, weniger bekannten Anschlagsplan gegen Chávez, der in New York während seines Besuchs bei der UN-Vollversammlung im September 2006 entdeckt wurde. Nach Informationen seines Sicherheitsdienstes wurde bei den üblichen Sicherheitsüberprüfungen vor einer Veranstaltung an einer lokalen, bekannten Universität, wo Chávez eine Rede an die US-Öffentlichkeit richten wollte, starke radioaktive Strahlung in dem für ihn bestimmten Stuhl festgestellt. Die Strahlung wurde durch einen Geigerzähler entdeckt, ein Handgerät, das der Sicherheitsdienst des Präsidenten verwendet, um sicherzustellen, dass der Präsident nicht Gefahr lief, schädigender Strahlung ausgesetzt zu sein. In diesem Fall wurde der Stuhl entfernt und nachfolgende Tests zeigten, dass er ungewöhnliche Mengen von Radioaktivität ausstrahlte. Sie hätte eine erhebliche Gefahr für Chávez dargestellt, wäre sie unentdeckt geblieben. Laut Berichten des Sicherheitsdienstes des Präsidenten stellte sich heraus, dass eine Person aus den USA, die an der logistischen Unterstützung der Veranstaltung beteiligt war und den Stuhl zur Verfügung stellte, mit US-Geheimdienstagenten zu tun hatte.

Es gab zahlreiche weitere versuchte Anschläge auf ihn, die von den venezolanischen Geheimdiensten und speziell durch die Abwehreinheit der Präsidentengarde vereitelt wurden, die damit beauftragt war, solche Bedrohungen zu entdecken und zu verhindern. Ein weiterer, sehr bekannter Versuch war im Juli 2010, als Francisco Chávez Abarca (nicht verwandt) bei der Einreise nach Venezuela verhaftet wurde und später gestand, dass er geschickt wurde, um Chávez zu töten. Er ist ein Krimineller, der mit dem kubanischstämmigen Terroristen Luis Posada Carriles zusammenarbeitet. Posada Carriles ist für den Bombenanschlag im Jahr 1976 auf ein kubanisches Passagierflugzeug verantwortlich, bei dem 73 Menschen getötet wurden. Fünf Monate vorher, im Februar 2010, entdeckten Chávez‘ Sicherheitskräfte einen Scharfschützen, der rund 400 Meter entfernt von einem Veranstaltungsort mit ihm nahe der kolumbianischen Grenze Position bezogen hatte und setzten ihn außer Gefecht.

Diese Berichte mögen wie erfunden klingen, sie sind jedoch umfänglich dokumentiert und sehr real. Hugo Chávez forderte die mächtigsten Interessen heraus und er weigerte sich, sich zu beugen. Als Staatschef der Nation mit den größten Erdölreserven der Erde und als jemand, der offen und direkt die Vorherrschaft der USA und des Westens herausforderte, wurde Chávez als Feind Washingtons und seiner Verbündeten angesehen.

Wer könnte also an der Ermordung von Chávez beteiligt gewesen sein, wenn er ermordet wurde? Sicherlich ist es nicht schwer, sich vorzustellen, dass die US-Regierung in den politischen Mord an einem Feind verwickelt ist, den sie klar – und offen – aus dem Weg haben wollte. 2006 schuf die US-Regierung eine Sondermission für Venezuela und Kuba unter der Direktive der Geheimdienste. Diese geheimdienstliche Spezialeinheit war damit befasst, die verdeckten Operationen gegen Chávez auszuweiten und leitete unter Beteiligung von CIA, DEA und DIA2 geheime Missionen von einem Geheimdienstzentrum in Kolumbien aus. Einige der Puzzlestücke, die sich zusammensetzen lassen, schließen enge Mitarbeiter von Chávez ein, die über längere Zeiträume privaten, ungehinderten Zugang zu ihm hatten, nach seinem Tod aus dem Land flohen und mit der US-Regierung zusammenarbeiten. Wenn er durch hoch radioaktive Strahlung oder durch eine Infektion oder Impfung mit einem krebserregenden Virus ermordet wurde, wäre es durch jemanden aus dem nächsten Umfeld passiert, dem er vertraute.

Von Eva Golinger (Interview: Mark Whitney)
Übersetzung: Julian Traublinger
komplettes Interview bei amerika21

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