Ecuador enttarnt Intervention und Agentennetzwerk der CIA

US-Geheimdienst nahm bis 2007 massiv Einfluss auf ecuadorianische Sicherheitsbehörden. Polizei und Militär sollten Zielen Washingtons folgen

Quito. Der US-amerikanische Geheimdienst CIA hat offenbar versucht, gezielt auf Sicherheitsbehörden und das Militär in Ecuador Einfluss zu nehmen. Dies geht aus einem Bericht der regierungsnahen ecuadorianischen Tageszeitung El Telégrafo vom Montag hervor, der sich auf entsprechende Dokumente stützt, die dem Blatt zugespielt wurden.

Leila Hadad Pérez, hier links im Bild. Das Foto stammt aus einem Bericht des
Fernsehsenders Telesur –  QUELLE: TELESUR


Den Unterlagen zufolge hat die amerikanische CIA-Agentin Leila Hadad Pérez bis 2007 Ämtervergaben in Sicherheitsbehörden sowie beim Militär beeinflusst. Laut dem Bericht sollte vorgeblich sichergestellt werden, dass im Interesse der USA mehr gegen den Drogenhandel unternommen wird. Mit falschen Papieren ausgestattet, hatte Hadad bereits im Jahr 1984 in der Hauptstadt Quito zunächst einen Kosmetiksalon und anschließend einen Teppichladen eröffnet. Mit Hilfe dieser Tarnung nahm sie seither Einfluss auf die Politik ecuadorianischer Sicherheitsbehörden.

Einem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter zufolge beschaffte sie vor allem Geld und Fahrzeuge für verschiedene Polizeibehörden. Um ein größeres Netzwerk aufbauen zu können, gründete sie unter Mithilfe von Politikern und ranghohen Beamten zudem eine Agentur zur Anwerbung von Personen in Ecuador, die im Dienste der USA agierten. Der Sicherheitsexperte der Fakultät für Sozialwissenschaften (Flacso), Gabriel Orozco, bekräftigte gegenüber El Telégrafo, es sei das Ziel der USA, „politische Strömungen zu unterstützen, die sich für die Umsetzung US-amerikanischer Standpunkte in der Region einsetzen“.

Diese Strategie drohte erst zu scheitern, als die ecuadorianische Regierung 2009 beschloss, die US-Militärbasis Manta zu schließen, von der aus auch die CIA operierte. In einem Bericht schätzte der US-Geheimdienst ein, dass dadurch „die Geheimdienstaktivitäten geschwächt“ würden. In der Folge versuchte die CIA laut El Telégrafo ihr Netzwerk weiter auszubauen. So trat sie auch an Washington Pesántez, früherer Generalstaatsanwalt Ecuadors und aktueller Präsidentschaftskandidat der Partei „Bewegung Ecuadorianische Union“, heran, um ihn anzuwerben. Pesántez bestreitet dies vehement und räumt lediglich ein, dass ihn die US-Botschaft kontaktiert habe, um „eine direkte, aufrechte und ehrliche Meinung“ zu seinem Vorgehen gegen den Drogenhandel in Ecuador zu äußern.

Indes drohte  Agentin Hadad aufzufliegen, als Roberto Sassen van Elsloo, Miteigentümer der Waffenfirma Prodefensa, Hadad im Jahr 2002 anzeigte, weil sie Papiere gefälscht haben sollte. Monate später ließ er die Anzeige jedoch fallen. Im Jahr 2004 führten die von der Generaldirektion des Geheimdienstes (DGI) und der Einheit für Spezialermittlungen (UIES) erneut aufgenommenen Ermittlungen zu keinem Ergebnis, weil von Hadad angeworbene Insider diese gezielt manipulierten und Meinungsverschiedenheiten zwischen den Behörden provozierten.

Vier Jahre später sorgten dieselben Einheiten jedoch für die endgültige Enttarnung Hadads und ordneten 2008 ihre Abschiebung an. Generäle, Polizeichefs, Politiker und Journalisten, mit denen Hadad regelmäßig zusammenarbeitete, wurden jedoch geschützt und durch den Einfluss der CIA abgeschirmt.

Von Leon Kaschel
weiterlesen bei amerika21

Kommentar verfassen