Bienen in Uruguay

Schwarmzeit

Zwischen Mai und Juni fangen die Bienen auf der Nordhalbkugel an zu schwärmen. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Bienen im Stock vorhanden und es wird langsam eng. In Uruguay entspricht diese Zeit den Monaten November und Dezember.

Ein befreundeter Imker hat uns daher gefragt, ob wir bei uns Kisten aufstellen würden, um den schwärmenden Völkern ein neues Zuhause anzubieten. Das machen wir natürlich gerne und am Donnerstag Abend stellten wir eine Kiste bei uns auf den kleinen Schuppen. Schon am nächsten Morgen waren die ersten Bienen zum Auskundschaften da.

Bevor die Bienen anfangen auszuschwärmen, legt die Königin in spezielle Waben (Weiselzellen) Eier, aus denen neue Königinnen schlüpfen. Sobald die erste Königin ausschlüpft, verlässt die alte Königin den Stock mit ungefähr der Hälfte der Bienen und sucht einen neuen Unterschlupf. Der Rest verbleibt mit einer Königin im Nest und wächst weiter.

 

Wildbienen

Da wir in Uruguay fast ausschließlich wilde Honigbienen haben, im Gegenteil zu z. B. Deutschland wo es fast nur noch Zuchtbienen gibt, hat das Einfangen eines Schwarms mit einer solchen Kiste den Vorteil, dass dieser sich nicht an (für Menschen) unliebsamen Stellen niederlässt. Denn dies kann hier leider schnell mit dem Tod durch vergiften der Tiere enden, da man das meist so handhabt wie in Deutschland vor 50 Jahren – „Was im Weg ist oder Angst macht, muss weg“.

 

 

Also trägt man mit dem Einfangen auch dazu bei, dass dieses Volk auf jeden Fall weiterleben wird.
Diese Wildbienenvölker sind übrigens auch viel widerstandsfähiger gegen Krankheiten als die in Europa und USA beliebten Zuchtsorten. Laut unserem Imker muss man hier z. B. nur einmal jährlich prophylaktisch gegen Varroamilben behandeln, anstatt mehrmals im Jahr bei den Zuchtbienen. Wir haben hier auch jede Menge Grün- und unbenutzte Flächen und damit natürlich auch eine Menge Insekten, Bienen, Schmetterlinge und Vögel.

Am Bienensterben in Deutschland sind also sicher nicht nur die oft genannten Pestizide schuld, sondern auch die „falschen“, vermeintlich pflegeleichten und ertragreichen Zuchtbienen. Außerdem hat sicher der Schwund an natürlichen Flächen und heimischen Pflanzen und Blüten seinen Anteil daran. Die traurigen und toten Steingärten, Beton- und Asphaltflächen, saubere Rasenflächen ohne Unkräuter und heimische Blühpflanzen, nehmen heimischen Insekten Lebensraum und Nahrung. 

Pestizide werden in Uruguay im Übrigen sehr viel exzessiver und unkontrollierter eingesetzt, als man das in Europa tut oder tun kann.  Auch wenn entsprechende Gesetze den Einsatz regeln, fehlt es, wie so oft an anderen Stellen auch, an Kontrollen und Konsequenzen. 

Alle, egal wo auf der Erde, können wir unseren Beitrag leisten, dass es den Bienen und anderen Insekten gut geht. 

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