UNECSO erklärt Gefängnistagebuch zu Weltdokumentenerbe

Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) hat ein Gefängnistagebuch des Ex-Guerillero Jorge Tiscornia zum „Gedächtnis der Welt“ erklärt. Während seiner 13 Jahre langen Inhaftierung wegen der Mitgliedschaft in der Widerstandsgruppe „Tupamaros“, die aktiv gegen die rechte Militärdiktatur (1973-1985) in Uruguay vorging, hatte der politische Aktivist seine Erlebnisse und Vorgänge im Gefängnis heimlich in Miniaturschrift auf Zigarettenpapier aufgeschrieben.

Plakat zum Film „El Almanaque“, der Almanach, über Jorge Tiscornia.


„Die Mitgefangenen wurden zu meinem zweiten Ich. Wenn sie ins Krankenhaus gingen, habe ich das aufgeschrieben, jede Bewegung im Gefängnis wurde notiert“, zitiert die Nachrichtenagentur EFE. Nach seiner Haftentlassung im März 1985 und der Rückkehr zur Demokratie versuchte das Diktatur-Opfer ein normales Leben zu führen, „alles blieb über viele Jahre verdrängt“, zitiert die Tageszeitung La República den Ex-Tupamaro. Bei einem Gespräch mit Kampfgefährten im Jahr 2000 sei die Sprache auch auf Erlebnisse im Gefängnis gekommen, niemand wusste von den Aufzeichnungen, die in Holzschuhen versteckt worden waren.

„Wir sind ins Gefängnis, haben die Schuhe aufgebrochen, und zur Überraschung aller waren sie noch da“, berichtet der Uruguayer. „Die Schuhe habe ich weggeworfen“, so der Linke. 2012 war ein Film über das mit Filzstift geschriebene Tagebuch erschienen. Das Weltdokumentenerbe ist ein Verzeichnis im Rahmen des 1992 von der UNESCO gegründeten Programms Memory of the World „zum Erhalt des dokumentarischen Erbes der Menschheit“. Aufgenommen werden Buchbestände, Handschriften, Partituren, Unikate, Bild-, Ton- und Filmdokumente, die laut der UN-Organisation „das kollektive Gedächtnis der Menschen in den verschiedenen Ländern unserer Erde repräsentieren“.

Gesehen bei blickpunkt-lateinamerika

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