Leichte Erholung für Wirtschaft in Lateinamerika und Karibik

UN-Wirtschaftskommission Cepal legt Bericht zur ökonomischen Entwicklung vor. Unterschiedliche Dynamiken in Mittel- und Südamerika sowie der Karibik

Santiago de Chile. Lateinamerika könnte im begonnenen Jahr 2017 die schwersten wirtschaftlichen Turbulenzen hinter sich lassen und auf eine leichte Beruhigung der Lage hoffen. Nach Prognosen der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (Cepal), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Lateinamerikanischen Entwicklungsbank (CAF) gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Mittelamerika, Südamerika und der Karibik.

 

Sitzungssaal der Cepal in Santiago de Chile
Sitzungssaal der Cepal in Santiago de Chile – QUELLE: CANCILLERÍA DEL ECUADOR LIZENZ: CC BY-SA 2.0

Als einen der Gründe nennen die drei Organisationen die andauernde Krise der Weltwirtschaft, deren Wachstum wohl gerade einmal drei Prozent betragen wird. Ursachen dafür seien die Krisen der Industriestaaten und die schweren wirtschaftlichen Probleme der Schwellenländer. In Südamerika betrifft das vor allem Brasilien, dessen Volkswirtschaft durch den Verfall des Erdölpreises, Korruptionsskandale und den Parlamentsputsch gegen die gewählte Präsidentin Dilma Rousseff nach wie vor schwer angeschlagen ist.

Beim Blick auf die übrigen Weltregionen wird deutlich, dass die Staaten Lateinamerikas und der Karibik kaum mit der Hilfe starker Handelspartner rechnen können. Die USA gehen bis Jahresende von einem Wachstum von knapp zwei Prozent aus, während die Europäische Union und Japan sogar noch darunter liegen dürften. Hoffnungsträger in diesem generell düsteren Szenario ist China. Noch im ersten Halbjahr 2016 war es dort angesichts angekündigter Reformen zu massiver Kapitalflucht gekommen. In den letzten Monaten des vergangenen Jahres konnte das Vertrauen in die chinesischen Märkte jedoch teilweise wieder hergestellt und der Abfluss von Kapital gestoppt werden.

Bei den Brics-Staaten weist Indien eine positive Prognose auf, während sich Brasilien und Russland – beides wichtige Partner für die Staaten Lateinamerikas und der Karibik – weiterhin in der Krise befinden.

Generell machen sich nun auch in Lateinamerika und der Karibik die Symptome der Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems bemerkbar, die 2008 ihren Anfang genommen hatte. Die verzögerte Wirkung erklären sich Experten auch mit dem versetzten Einbruch in der Nachfrage an Rohstoffen, die aus der Region exportiert werden. Nach wie vor ist es dort kaum gelungen, sogenannte Wertschöpfungsketten aufzubauen, die Rohstoffe also im eigenen Wirtschaftsraum weiterzuverarbeiten.

Zahlreiche Länder Lateinamerikas und der Karibik leiden nach wie vor unter dem massiven Verfall des Erdölpreises, der im ersten Quartal 2016 einen Tiefpunkt erreicht hatte. Eine Rückkehr zu Spitzenpreisen über 100 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) wird zumindest mittelfristig nicht erwartet. Marktbeobachter gehen vielmehr davon aus, dass sich der Preis pro Barrel bei rund 50 US-Dollar einpendelt. Mit dem Trend einhergehend sind auch die Preise für andere Rohstoffe und Agrarprodukte eingebrochen, wenn auch nicht in einem solchen dramatischen Maße wie beim Erdöl. Die einzige Ausnahme bildet Gold.

Von Harald Neuber
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