Verheerende Folgen durch Avocado-Boom in Chile

Großplantagen und Wasserdiebstahl zerstören Existenzen von Kleinbauern. Menschen müssen mit Wasserlieferungen notversorgt werden

Santiago de Chile. In der Region Petorca, in der Chiles größte Avocadoplantagen ansässig sind, haben die Menschen mit verheerenden Folgen zu kämpfen: Das Wasser ist in der Region beinahe komplett verschwunden. Der gleichnamige Fluss ist ausgetrocknet, die lokale Bevölkerung muss über Tanklaster mit Wasser notversorgt werden und Kleinbauern verlieren ihre Existenzgrundlagen. Einzelne große Plantagen wurden bereits wegen Missachtung von Wasserrechten verurteilt. Doch weitreichende Veränderungen sind nicht abzusehen.

 

Chile leidet unter den Folgen des internationalen Avocado-Booms
Chile leidet unter den Folgen des internationalen Avocado-Booms QUELLE: JONATHAN HULL LIZENZ: CC BY-NC-ND 2.0

Ein kürzlich von dem dänischen Medien- und Forschungszentrum Danwatch in Zusammenarbeit mit einer lokalen Aktivistengruppe (MODATIMA) erarbeiteter Bericht stellt die Folgen der weltweit gestiegenen Nachfrage nach Avocados dar, die Chile als einer der größten Exporteure mit befriedigt: Viele lokale Familien erhalten durch die staatlichen Hilfslieferungen gerade einmal genug Wasser, um ihren Haushalt zu versorgen, lokale Kleinbauern mussten ihre Avocadobäume abholzen und haben ihre Nutztiere auf Grund der Trockenheit verloren oder verkaufen müssen.

Laut Matias Guiloff, Menschenrechtsanwalt und Universitätsprofessor, hat es die Regierung mindestens seit 2013 nicht geschafft, das Menschenrecht der lokalen Bevölkerung auf Wasser angemessen zu schützen. Eine adäquate Wasserversorgung ist auch bis heute nicht gewährleistet, sagt Guiloff: „Wir sprechen hier von täglicher Wasserknappheit und einer ständigen Abhängigkeit von wöchentlichen Hilfslieferungen. Dies behindert nicht nur ein menschenwürdiges Leben, sondern verhindert auch, dass die Bevölkerung ihrer traditionellen Lebensweise und Erwerbstätigkeit in der Landwirtschaft nachgehen kann.“

Die Problematik ist vielschichtig: Zum einen ist die Region Petorca ohnehin verhältnismäßig wasserarm und die Produktion von Avocados benötigt in trockenen Regionen umso mehr Frischwasser. Zum anderen sind die Wasserrechte in Chile beinahe gänzlich privatisiert, was dazu geführt hat, dass große Plantagen auf legale Weise große Teile des Wassers abführen konnten. Eine vom ehemaligen Gouverneur der Region, Gonzalo Miquel, in Auftrag gegebene Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass zusätzlich 65 unterirdisch verlegte Leitungen Wasser in private Sammelbecken abführten und so die Flüsse der Region gänzlich austrockneten. Guiloff erklärt, dass die Dirección General de Aguas, die die Wasserrechte vergibt und auch für deren Kontrolle zuständig ist, nur über ein sehr limitiertes Budget und dadurch über zu wenig Personal verfüge. Außerdem seien „die Strafzahlungen für illegale Wassernutzung so gering, dass diese kein reales Abschreckungsinstrument darstellen“.

Von Patrick Schubert
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